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Weltcupstand Herren - 06.01.2017
01 Domen Prevc
SLO
646  
02 Daniel Andre Tande
NOR
637  
03 Kamil Stoch
POL
633  
04 Stefan Kraft
AUT
510  
05 Maciej Kot
POL
428  
06 Michael Hayböck
AUT
409  
07 Manuel Fettner
AUT
386  
08 Markus Eisenbichler
GER
381  
09 Severin Freund
GER
309  
10 Piotr Zyla
POL
277  
 
Nationenwertung Herren - 06.01.2017
01 Polen
POL
2030  
02 Österreich
AUT
1928  
03 Deutschland
GER
1795  
04 Norwegen
NOR
1362  
05 Slowenien
SLO
1234  
06 Japan
JPN
391  
07 Tschechien
CZE
369  
08 Frankreich
FRA
214  
09 Russland
RUS
199  
10 Schweiz
SUI
85  
 

07.09.2012: Norweger Woche - Interview mit Alexander Stöckl

Alexander, wir sind jetzt hier in Seefeld, wo ihr heute euren Trainingskurs in Tirol mit einem Golfspiel abschließt. Wie siehst du denn nach diesem Kurs den Stand deiner Mannschaft?

Gefühlsmässig sind wir in einem guten Prozess. Es gibt sicherlich beim einen oder anderen Athleten noch Dinge zum Verbessern, aber die besten Athleten die wir haben, Tom Hilde und Anders Bardal, springen auf einem recht guten Niveau.

Und die meisten Fortschritte von Trainingsbeginn an, wer hat die gemacht?

Hm, ich denke, dass Rune Velta konstanter geworden ist. Er hatte letzte Saison schon immer wieder mal gute Ergebnisse, aber es war ein bisschen ein auf und ab bei ihm, und von daher würde ich sagen, dass er sich im Sommer in dieser Hinsicht sicherlich am meisten entwickelt hat.

Und Björn Einar Romoeren?

Der hat sich natürlich die letzten Jahre schwer getan, kämpft aber fleissig. Er ist nach wie vor irrsinnig motiviert, was mich selbst sehr fasziniert. Man merkt, dass er tief drinnen immer noch verliebt ist in das Skispringen. Er kämpft hart, macht kleine Schritte vorwärts, aber es dauert sicher noch seine Zeit.

Was fehlt bei ihm um wieder ganz vorne mitspringen zu können?

Wir sind immer noch dabei kleine Veränderungen in seiner Technik vorzunehmen. Mit diesen kommt er noch nicht so ganz zurecht. Konditionell hat er sich in diesem Sommer wieder gut entwickelt, nachdem er ja in der letzten Saison Probleme mit dem Rücken hatte. Lediglich gestern hat er sich beim Fußball spielen wieder leicht verdreht, aber das stellt kein größeres Problem dar. Er braucht einfach noch Zeit.

Du hast schon erwähnt, Anders Bardal ist, nach seinem Weltcupgesamtsieg in der letzten Saison, nun auch im Sommer wieder recht gut drauf. Wie siehst du seine Chancen den Titel des Weltcup-Gesamtsiegers zu verteidigen?

Ui, das ist schwer. Den Weltcup zu verteidigen, ihn also ein zweite Mal in Folge zu gewinnen, das ist wirklich eine ganz schwierige Sache, denn da muss einfach alles zusammen passen. In der letzten Saison von Anders war dies der Fall – er hat wirklich über die ganze Saison Sprünge auf sehr hohem Niveau gezeigt, und das ist etwas, dass kann man nicht vorhersagen, und auch nicht erhoffen. Man muss einfach schauen, am besten so gut wie möglich in die Saison zu starten, um dann auf diesem Niveau zu bleiben, so lange es geht. Natürlich ist das Ziel, dass er wieder vorne dabei ist, das ist ganz klar, aber den Sieg anzustreben, das wäre in meinen Augen vermessen.

Vielleicht auch wegen den neuen Anzügen? Oder kommt ihr gut klar mit dieser kleinen Reglementänderung bezüglich der Sprunganzüge?

Wir kommen eigentlich recht gut klar mit der Umstellung. Wir sind ein bisschen einen anderen Weg gegangen im Frühjahr, denn wir haben mit Langlaufanzügen begonnen zu springen. Das hat sich dann recht gut ausgewirkt, da der Umstieg von den Langlaufanzügen auf die neuen, engen Skisprunganzüge ein besseres Gefühl ergeben hat für die Springer. Es hat eigentlich keiner Schwierigkeiten in diesem Bereich gehabt. Man merkt aber grundsätzlich, dass sich Fehler mehr auswirken. Speziell in der ersten Flugphase muss man wesentlich vorsichtiger agieren, weil einfach der Anzug nicht mehr so viel Halt in der Luft bietet, aber ansonsten kann man mit dieser Änderung durchaus leben.

Um wieder zu den Springern zurückzukehren, was ist mit Anders Jacobsen, der ja ein Comeback wagt, und im COC schon sehr gute Leistungen gezeigt hat. Springt er im Sommer noch den einen oder anderen Sommer Grand Prix Bewerb?

Anders fährt mit nach Almaty, bestreitet dort die zwei Bewerbe, und wird sich dann wieder ins Training zurück ziehen. Er fährt natürlich ein etwas anderes Programm einfach bedingt durch den Umstand dass er ein Jahr Pause gemacht hat. Das heisst, er investiert sehr viel Zeit in Konditionstraining. Er ist irrsinnig motiviert, und fühlt sich auch in der B-Mannschaft derzeit sehr wohl, weil er sich hier auf das Training voll konzentrieren kann, und wenn er so weiterspringt wie er derzeit springt, dann ist er sicherlich im Winter ein ernst zu nehmender Gegner.

Und, wie schauts aus mit dem Nachwuchs? Junge Springer mit Potential nach oben?

Es gibt in Norwegen relativ viele junge Springer, ich glaube 10 Mal so viele wie in Österreich, nur das Schulsystem ist ein wenig anders. Das heisst, es gibt die Oberstufe, die dort aber mit 3 Jahren relativ kurz bemessen ist, was sich auch in den Skigymnasien auswirkt, da die Springer erst mit 16 in diese hineinkommen. Das macht es schwierig ein fundiertes Training auf hohem Niveau rechtzeitig zu beginnen. Das ist auch mit ein Grund, warum, anders als beispielsweise in Österreich, die norwegischen Athleten mit ihren Spitzenleistungen erst später dran sind. 17- oder 18jährige Springer, die im Weltcup auftauchen sieht man in Norwegen eigentlich nicht. Aber es gibt Potential, und ich denke, dass es mit der Stimmung die wir derzeit haben, und mit der Bedingung dass wir alle am gleichen Strang ziehen, sicher in Zukunft noch mehr junge norwegische Springer geben wird.

Junge norwegische Springer, die ihrem Tainer wieder so eine Traumsaison bescheren können, wie du sie letztes Jahr als Einstiegssaison in Norwegen gehabt hast. Wie siehst du die Saison selbst?

Als junger, unerfahrener Trainer solch einen Posten zu übernehmen ist natürlich eine große Herausforderung. Ich habe einfach versucht meine Arbeit so zu machen, wie ich sie auch im Nachwuchsbereich gemacht habe. Ich habe mit jedem Athleten individuell gearbeitet, habe mich einfach auf die wesentlichen Dinge konzentriert.

Die Dinge, die ich verändern kann, und das ist eben ganz klar die Arbeit am Athleten. Dort Verbesserungen herbeizuführen, das ist meine Aufgabe, und das hat über den Winter sehr gut funktioniert. Es war zwar ein schwieriger Einstieg mit dem ersten Bewerb in Kuusamo, speziell dem Teambewerb, wo wir wirklich schlecht waren. Da habe ich dann als Nachwuchstrainer, der ja nie unter öffentlichem Druck steht, auch das erste Mal gemerkt, was passiert wenn es nicht sofort gut läuft. Wenn nach dem ersten Weltcupwochenende schon Fragen auftauchen ob der Weg richtig war, ist es ganz wichtig seiner Linie treu zu bleiben, und zu versuchen die Kleinigkeiten in den Griff zu bekommen. Danach hat es auch dann auch ganz gut funktioniert.

Trotz einiger Veränderungen im Krafttraining und auch im Techniktraining haben wir das meiste umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben, und die Erfolge waren sehr zufriedenstellend. Wieder zweiter im Nationencup, was uns wichtig war, denn somit haben wir das Level gehalten, Anders Bardal als Gesamtweltcupsieger und in Vikersund mit Fannemel den weitesten Sprung zu sehen und mit Rune Velta im Einzel den Silbermedaillengewinner zu haben, das sind tolle Erfolge.

Nach Kuusamo, hast du da an deinem Konzept für die Norweger gezweifelt?

Nein habe ich eigentlich nicht, denn ich habe natürlich analysiert was an diesem Wochenende passiert ist, und ich habe gesehen, dass das Problem nicht technischer Natur war, sondern dass die Athleten einfach übermotiviert waren. Sie wollten zeigen wie gut sie im Sommer mit dem neuen Trainer gearbeitet haben. Die Wettkampfsprünge waren überhaupt nicht mit dem vergleichbar was ich im Training zuvor gesehen habe, und deswegen war ich mir eigentlich ziemlich sicher, dass wir das über den Winter in den Griff bekommen, und dass die Arbeit einfach dahingehen muss, dass die Athleten am Boden bleiben, versuchen sich auf sich selbst zu konzentrieren, und einfach ihre Sache machen, und das haben wir bei den meisten Springern in den Griff bekommen.

Zur laufenden Sommer-Saison , Tom Hilde ist im Moment aus norwegischer Sicht der einzige der in den Top 10 mitspringt. Sorgt das für Unmut oder Zweifel bei dir?

Das lässt mich genauso wenig Zweifeln wie die Situation in Kuusamo, denn ich weiß, dass wir keinen Schwerpunkt auf den Sommer gesetzt haben. Das Tom so gut springt, ist natürlich schön. Die anderen sind in einer Trainingsperiode, in der man gelegentlich einen Wettkampf bestreitet. Dementsprechend sind die Leistungen nicht so gut. Das Gesamtpaket passt noch nicht, man geht, auch von der Materialseite her, noch nicht ans Limit, sondern konzentriert sich vordergründig auf die Technik. Deswegen bin ich relativ gelassen, dass wir Richtung Winter hin dann gut aufgestellt sind.

Fannemel hat die Skimarke gewechselt, springt nun fluege.de. War das seine Entscheidung?

Das war seine Entscheidung. Er hat mich gefragt was ich davon halte. Ich habe ihm die Vor- und Nachteile eine Skiwechsels versucht zu erklären, und er hat sich dann aus eigenen Stücken entschieden diesen Weg zu gehen. Das funktioniert bis jetzt ganz gut. Er hat getestet, und der Ski hat ihm sofort zugesagt. Man sollte grundsätzlich natürlich den Ski nehmen der einem selbst passt, und nicht den der die schönste Farbe hat (lacht).

Dann wechseln wir mal vom Sommer zum Winter – Ziel kann ja eigentlich nur sein, die Österreicher in der Nationenwertung zu schlagen?

(lacht) Wir sind zwar letztes Jahr Zweite geworden in der Nationenwertung, aber man gesehen, dass der Abstand relativ groß war. Deswegen wäre es vermessen zu sagen dass wir heuer die Österreich schlagen wollen. Ich denke, so weit sind wir noch nicht. Wir haben sicher einen Schritt nach vorne gemacht, aber das Ziel muss jetzt einfach sein, näher dran zu kommen an die Führende Nation, die Lücke etwas zu schließen, mit mehr Athleten auf einem höheren Niveau zu springen, um dann zu sehen was unter dem Strich dabei herausschaut.

Welche Nationen zählst du denn noch zu den Favoriten diesen Winter?

In der Nationenwertung sicherlich Deutschland. Das Team hat sich über die letzte Jahre sehr gut entwickelt. Sie haben auch konstant ein System verfolgt und das trägt nun langsam Früchte. Man sieht mehrere Deutsche Athleten auf einem guten Niveau springen. Wank hat den SGP gewonnen, Bodmer, der nach seiner Verletzung wieder da ist und gut springt, und Freitag war ja schon letzte Saison, genauso wie Freund sehr stark. Die Japaner waren im Sommer sehr stark. Man wird sehen was da passiert, ob sie diese Form in den Winter bringen, das ist sicherlich interessant zu sehen. Die Slowenen tauchen auch immer wieder mal vorne auf und zeigen gute Sprünge, natürlich speziell auf größeren Schanzen, wo es vermehrt ums Fliegen geht. Es wird sicher ein spannender Winter, denn auch die Anzüge spielen da vielleicht eine große Rolle. Es wird sich sicherlich von Wettkampf zu Wettkampf etwas gemischter sein. Seriensieger zu sein wird in Zukunft schwieriger werden, auch wenn sicherlich die gleichen vorne dabei sein werden.
 

Stichwort WM – Ziele, Vorgaben?

Wir stecken uns die Ziele selbst. Bei einer WM möchte man mit einer starken Mannschaft natürlich eine Einzelmedaille und eine Mannschaftsmedaille machen. Das wäre unser Ziel. Der Mixed Bewerb ist natürlich auch eine Chance um eine Medaille zu kämpfen. Auch hier werden wir uns auf „die Füße“ stellen, dass wir mit den Damen zusammen um eine Medaille kämpfen.

Wie siehst du den Mixed Bewerb?

Das ist ein sehr interessanter Bewerb. Sicherlich gut für den Damensport, damit mehr Fokus auf ihrer Sportart liegt. Aber auch gut für uns mit gemischtem Feld an den Start zu gehen. Die beiden Bewerbe im Sommer waren wirklich interessant, und auch die Zusammenarbeit mit dem Damen-Trainer – es ist neu, aber durchaus etwas mit Potential.

Bei den norwegischen Damen schaut es aber nicht so gut aus im Moment?

Es wird langsam. Wir haben versucht von Verbandsseite her ein Damen-Nachwuchs Projekt zu starten. Projekt Sochi heisst es – es ist ein bisschen knapp zu den Spielen hin, aber es geht einfach darum, dass man wieder Damen motiviert mit dem Springen zu beginnen. Norwegen sollte dafür ein gutes Pflaster sein, da hier die Gleichberechtigung und auch der Damensport im Allgemeinen einen guten Stellenwert hat. Deswegen hoffe ich, dass wir in Zukunft auch mit mehr Athletinnen an den Start gehen werden.

Jetzt hast du Sochi schon erwähnt, die Olympischen Spiele 2014 – denkt man da jetzt schon daran, immerhin gehen wir ja in die Vorolympische Saison?

Man hat es durchaus im Hinterkopf. Man schaut sich zum Beispiel mannschaftsbewerbe oder auch Einzelleistungen von Athleten mit einem anderen Aspekt an, und stellt sich die Frage ob Springer xy konstant genug ist bei den Spielen zu stehen, oder wer in Frage kommen würde. Im nächsten Sommer wird man dann dementsprechend für den einen oder anderen Athleten anders planen, denn es ist doch ein Individualsport, und für die Springer ist Olympia natürlich etwas ganz besonderes, auf das man auch gesondert hinarbeiten muss.

Weg vom sportlichen, hin zu persönlichen Dingen. Du bist ja, durch dein Traineramt in Norwegen auch in die norwegische Hauptstadt Oslo gezogen. Wie hast du dich eingelebt?

Das ist sehr gut verlaufen. Es war am Anfang natürlich etwas schwierig in ein neues Land zu ziehen, aber wir sind sehr gut aufgenommen worden, haben ein Glück gehabt mit der Wohnung, eine nette Nachbarschaft, meine Freundin hat mit einem Sprachkurs begonnen und spricht inzwischen besser norwegisch als ich, denn ich habe wenig Zeit zum lernen. Ich kann schon einiges und verstehe auch alles, aber die Kommunikation mit den Springern, gerade was das technische anbelangt, findet natürlich auf Englisch statt, damit ich ihnen keinen Blödsinn erzähle.

Und was siehst du für Unterschiede zwischen Österreich und Norwegen, sportlich und auch sozial?

Das ist schwierig. Sportlich gesehen sehe ich kaum Unterschiede, denn der Sport hat, ähnlich wie in Österreich, auch in Norwegen einen sehr hohen Stellenwert. Sozial gesehen denke ich, dass die Norweger sehr familiäre Menschen sind. Die Familie steht sehr stark im Vordergrund. Es gibt ungleich mehr Eltern die am Wochenende mit den Kindern etwas unternehmen. In Österreich hatte ich nie das gefühl, dass das so extrem ist. Ansonsten sind die Norweger sehr offene, sehr positive Menschen, man hat das Gefühl in Österreich dauert es oft ein bisschen länger bis man „warm“ wird, in Norwegen geht das vielleicht etwas schneller. Man fühlt sich in eine Gemeinschaft schneller integriert.

Norwegen auch ein Land wo du dir vorstellen könntest nach deiner Trainerkarriere zu leben?

Dafür bin ich vielleicht nicht lange genug oben in Norwegen. Grundsätzlich ist „dahoam ist dahoam“, und das gilt auch bei mir. Als wir am Montag hier angekommen sind war das für mein ein Heimkommen, mit der „Hohen Munde“ (Anm. ein Berg in der Innsbrucker Gegend) im Hintergrund. Das lässt einen nicht los. Man vergisst einfach seine Wurzeln nie.

Du möchtest als Österreicher nach Norwegen kommen, und als Norweger oder „fast-Norweger“ wieder gehen – was waren deine Worte in einem anderen Interview. Wie weit bist du denn mit diesem Vorhaben?

(lacht) Es entwickelt sich. Wenn man als Nationaltrainer irgendwo arbeitet, dann sollt man bis zu einem gewissen Grad auch Teil der Nationalität werden, die Kultur verstehen lernen, damit man die Hintergründe kennt, und sein System rund um diese aufbauen kann. Man kann nicht einfach in ein Land kommen, sagen „da bin ich, das ist mein System, und nach dem wird jetzt trainiert“, das funktioniert nicht, man muss die Leute schon verstehen lernen. Deswegen ist es für mich wichtig mich so gut wie möglich zu integrieren. Man muss das System erleben, es zu sehen ist zu wenig.

Die Sportsplanet Redaktion ist der Meinung Alexander Stöckl ist dabei auf einem guten Weg, und wünscht ihm und seiner Mannschaft für die kommende Saison viel Glück und das alle geplanten Ziele und Wünsche in Erfüllung gehen.

 
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